OFC Neukirchen

OFC - SC Neukirchen 1:0 n.V.


35. Spieltag, einmal Nachschlag bitte: Das Hessenpokal-Finale stand an, und die Gelassenheit, mit der man die Niederlagen gegen Burghausen und Ansbach hingenommen hatte, war nur möglich gewesen, weil man wußte, daß der Saisonhöhepunkt eben dieses Spiel gegen den Oberligisten SC Neukirchen sein wird.

Doch es war auch das 50.000 Euro-Spiel: Nicht, daß man jetzt auch als Kickersfans nur noch in den Dimensionen des Geldes rechnet, aber diese Summe, die dem Gewinner für den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals zukommt, war genau jener Betrag, der dem OFC noch für die Lizenz fehlte. Schließlich wollte man sich eine hektische Sammelaktion im Falle einer Niederlage ersparen... Nein, die Lizenz sollte heute her, und auch jenes überdimensional große Transparent vor der Gegengerade beschäftigte sich mit diesem Thema: "Lizenzen KOCHt man nicht" - wobei insbesondere die Anspielung auf den Hessen-Roland und seine ins Gespräch gebrachte Landesbürgschaft für die von der anderen Main-Seite zu gefallen wußte.

Mannschaft und Fans wußten also um die Bedeutung dieses Spiels, aber auch der Gegner aus dem Knüll. Denn ebenso wie die Kickers ließ sich Neukirchen am letzten Spieltag besiegen, um im Finale die größtmögliche Chance zu haben. Dennoch waren die Vorteile zunächst auf Seiten des OFC, man spielte sichtlich bemüht, vielleicht wollte man sogar ein frühes Tor erzielen - doch nach zwanzig Minuten wurde das Spiel so schlecht, wie man es zuvor fast schon befürchtet hatte. Sicher, jedem war bereits vorher klar gewesen, daß es hier keinen hohen Sieg geben werde und daß es letztlich um die Frage ging, wie holprig der Weg zum Pokal sein werde, aber daß Mitte der ersten Hälfte die Kickers nicht wußten, wie man mit dem eine Liga tiefer spielenden Gegner umgehen soll, überraschte dann doch. Der OFC ließ sich einlullen von der Spielweise der Gäste, und fast schien es so, daß es Neukirchener Absicht war, dem Spiel jede Dynamik zu nehmen und darauf zu hoffen, irgendwann einmal selbst eine Torhance zu bekommen.

So stand's zur Pause immer noch torlos unentschieden, und die Stimmung bei den insgesamt 4500 Zuschauern (und damit wenigstens mehr als beim letzten Liga-Heimspiel gegen Burghausen) war geteilt - so wie fast immer in solchen Situationen: Pfiffe und aufmunternder Beifall.

Als nach 60 Minuten das Spiel der Kickers noch eine Stufe schlechter geworden war, wurde erstmals massiv gepfiffen. Doch oh Wunder, selbst als Kritiker solcher Umgangsformen erhoffte man sich von dieser Mißfallensbekundung eine aufweckende Wirkung. Zwar glaubte man nicht, daß die überaus schwachen Außenspieler Alderidgi und Corrochano sich davon beeindrucken ließen, aber wenigstens Dworschak, der sich an diesem Tag irgendwie vor der Verantwortung drückte (oder fürchtete), könnte sich von den Pfiffen motivieren lassen. Tatsächlich, als wenig später Saridogan für den erneut enttäuschenden Naciri eingewechselt wurde, sah man endlich eine realistische Chance für ein Tor: Irgendjemand aus dem Dreieck Dworschak, Schindler und Saridogan wird es wohl werden... Und nach dem erfolgreichen Aufwecken der Mannschaft war auch die Pokalstimmung wieder da, und je näher das Ende der regulären Spielzeit kam, um so besser wurden die Chancen der Kickers. Doch Schindler, der bereits mit einer schmerzstillenden Spritze begonnen hatte (und trotzdem bester Mann war), hielt nicht durch, und mußte vorzeitig vom Feld. Für ihn kam Marco Rill aus der Zweiten Mannschaft - und er machte seine Sache nicht schlecht. Kein Wunder, denn Spieler wie Rill oder Stenzel (in Ansbach) sind motiviert bis in die Haarspitzen, eine bessere Möglichkeit, sich für den Kader der Ersten zu empfehlen, gibt es nicht.

Trotz aller Bemühungen wollten keine Tore wollten mehr fallen, und so kam es zum Nachschlag Teil zwei: Verlängerung. Bereits im Halbfinale gegen Landesligist Braunfels mußte man länger spielen, und so, wie man damals dem Gegner am Ende konditionell überlegen war, würde es hoffentlich auch heute aussehen. Kaum war wieder angepfiffen, da ging's im Neukirchener Straufraum hoch her. Zunächst knallte Dworschak den Ball an die Latte, anschließend stand Würll ewig auf dem zurückgeprallten Ball, und dann kam Barletta zum Schuß - und spätestens seit Siegen und Aalen weiß man, daß er das kann: den Ball aus weiter Entfernung ins Tor hämmern. 1:0, endlich! Nun mußte also Neukirchen reagieren, doch die spielerischen Mittel reichten dafür nicht aus. Das Spiel wurde härter, es gab Fouls und einige Rangeleien, wie man sie eher vom Eishockey her kennt und bei denen man schon befürchten mußte, nun würden reihenweise Spieler vom Feld fliegen. Doch ein sehr regeltoleranter Schiedsrichter schonte beide Mannschaften und weigerte sich sogar, lediglich Gelb zu zeigen.

Zehn Minuten vor Ende wurde der an diesem Abend zu oft mit angezogener Handbremse spielende Würll ausgewechselt - und die Reaktionen waren zurecht außerst gespalten. Fast hätte man am liebsten beides gleichzeitig gemacht: Applaudieren für die vielen Tore, die erzielt hatte, und Auspfeifen für die schlechte Leistung der letzten Wochen und vor allem für seine Salzburg-Affaire, als er, krankgeschrieben bei den Kickers, ein Testspiel für die Österreicher absolvierte.

Nach 120 Minuten war es dann soweit: Hessenpokal gewonnen, Lizenz erkämpft und eine 2.8%-ige Chance auf das Derby in der ersten DFB-Pokal-Runde bekommen. Wann ist die Auslosung?



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